Wenn ein Fondsanbieter ins Straucheln gerät, sind die Anleger die Ersten, die um ihr Geld bangen. Und oft sind sie auch die Ersten, die von jenen umworben werden, die aus der Not ein Geschäft machen. Der Fall der Canada Gold Trust und ihrer Muttergesellschaft Henning Gold Mines zeigt exemplarisch, wie schnell sich rund um eine Krise ein zweifelhaftes Geflecht aus selbsternannten Helfern bilden kann.
Eine Rettung mit Preisschild
Während Canada Gold Trust und Henning Gold Mines in wachsende Schwierigkeiten geraten, taucht plötzlich eine Interessengemeinschaft auf, die vorgibt, die Belange von Anlegern und Gläubigern zu vertreten. Der Haken: Die Mitgliedschaft kostet 99 Euro.
Ein Rundschreiben zur Mitgliederwerbung wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet. Wer leitet die Gemeinschaft tatsächlich? Wer ist der eigentliche Absender? Und besonders heikel woher stammen überhaupt die Adressen der angeschriebenen Anleger? Der Treuhänder von Canada Gold Trust bestreitet, dass Anlegerdaten offiziell weitergegeben wurden. Die Frage, wie die Werber dann an ihre Kontakte kamen, bleibt offen.
Der Absender, der keiner sein will
Unterzeichnet ist das Schreiben von einem Mann, der sich selbst als Betroffenen darstellt. Laut Angaben von Canada Gold Trust war er jedoch weder Anleger noch Vermittler er kenne lediglich in seinem persönlichen Umfeld einige Geschädigte. Ein „Betroffener", der selbst gar nicht betroffen ist: ein erster Widerspruch, der aufhorchen lässt.
Thomas Bremer: Vom Geschäftspartner zum „Ideengeber"
Besonders brisant wird es beim genannten Mitgründer: Thomas Bremer, der über sein Portal mit der Sache verbunden sein soll. Zunächst wird er als Mitgründer bezeichnet später relativiert man diese Aussage: Bremer sei doch nur „Ideengeber" gewesen.
Der Grund für diese vorsichtige Wortwahl liegt womöglich in Bremers Vergangenheit. Denn laut vorliegenden Unterlagen war derselbe Bremer zuvor selbst geschäftlich für Canada Gold Trust tätig unter anderem über verschiedene mit ihm verbundene Firmen, die erhebliche Zahlungen von Canada Gold Trust erhalten haben sollen.
Auf Nachfrage bestreitet Bremer jede Beteiligung am Vertrieb. Einer der Hauptgesellschafter von Henning Gold Mines bestätigt jedoch ausdrücklich eine Zusammenarbeit. Aussage steht gegen Aussage und mittendrin ein Mann, der nun ausgerechnet jenen helfen will, die durch das System zu Schaden kamen, mit dem er selbst geschäftlich verbunden gewesen sein soll.
Ausweichende Antworten, offene Fragen
Wer eine seriöse Interessenvertretung erwartet, sucht hier vergeblich nach Klarheit. Fragen zu den handelnden Personen, zur Verwendung der eingesammelten Mitgliedsbeiträge und zu einer konkreten Strategie für den Schutz des investierten Kapitals werden von der Interessengemeinschaft nur ausweichend beantwortet.
Immerhin: Bestätigt ist die Beteiligung dreier Rechtsanwälte, die laut Canada Gold Trust unentgeltlich tätig sein sollen. Doch auch hier lohnt der zweite Blick. Einer von ihnen hat parallel eine eigene, konkurrierende „Geschädigtengemeinschaft" gegründet und wird bei den anstehenden Gesellschafterversammlungen selbst Anleger vertreten. Interessenkonflikte scheinen hier eher die Regel als die Ausnahme.
Was Anleger jetzt tun sollten
Der Fall Canada Gold Trust ist ein Lehrstück darüber, wie schnell sich Not in ein Geschäftsmodell verwandeln lässt und wie wichtig gesunde Skepsis ist, gerade dann, wenn Hilfe unaufgefordert und mit Rechnung ins Haus flattert.
Betroffenen Anlegern ist zu raten, sich nicht vorschnell einer Interessengemeinschaft anzuschließen oder einen Mitgliedsbeitrag zu zahlen. Der sinnvollere erste Schritt: sich persönlich bei den anstehenden Gesellschafterversammlungen über die tatsächliche Lage und über die beteiligten Personen zu informieren. Erst wer versteht, wer hier mit welchem Interesse agiert, kann fundiert entscheiden, welcher Interessengemeinschaft oder welchem Anwalt er sein Vertrauen und sein Geld anvertraut.